Eggner Trio & Matthias Schorn

Die aus St. Florian stammenden Eggner-Brüder waren vor einigen Jahren schon einmal Gäste der St. Florianer Brucknertage, diesmal beehren sie uns mit einem französischen Programm und mit einem ganz besonderen musikalischen Mitstreiter, dem Klarinettisten Matthias Schorn. Dieser ist Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker und Professor an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien.  Die beiden Stücke dieses kraftvollen Programmes von Ravel und Messiaen stehen in einem seltsamen Zusammenhang, beide Stücke wurden jeweils zu Anfang des Ersten bzw. Zweiten Weltkrieges komponiert. Beiden Werken ist aber auch gemein, dass sie den Krieg nicht zum Thema haben, sondern sich diesem inhaltlich eher widersetzen (ziemlich grundsätzlich). Maurice Ravels a-Moll-Klaviertrio entstand im Sommer 1914. Der Komponist, der sich auch von den Kriegswirren nicht abhalten bzw. einschüchtern ließ, schrieb Anfang August 1914 an einen Freund: Ja, ich arbeite, und mit der Sicherheit und Hellsicht eines Verrückten. Sein Trio vermittelt vielmehr eine heiter-gelöste Poesie statt kriegsbedingter Verzweiflung.

 

Hauptwerk des Abends ist aber Olivier Messiaens großes „Quartett auf das Ende der Zeit“, welches in acht Sätzen in unterschiedlichen Besetzungen ein Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts repräsentiert (1940/41). Der Titel ist der Apokalypse des Johannes entnommen und verwundert zunächst nicht, wenn man die Umstände, unter denen Messiaen dieses Werk schrieb, betrachtet. Messiaen schrieb dieses Stück im Kriegsgefangenenlager im ostdeutschen Görlitz unter widrigsten Bedingungen. Die Uraufführung dieses kolossalen Werkes fand vor mehr als 400 Zuhörern im Jänner 1941 im Waschsaal des Gefangenenlagers bei eisiger Kälte statt. Überraschend sind aber die visionäre Farbigkeit wie auch Zuversichtlichkeit, die das Stück ausstrahlt. Die eindrucksvolle Klangwelt und die weiten kantablen Bögen des Stückes, die sich „regenbogenfarben“ durch das ganze Stück ziehen, stehen in einem großartigen Kontrast zu den furiosen, oft einstimmigen gewaltigen Klangblöcken. Das Verhältnis von Zeit und Ewigkeit, welches in fast allen Sätzen thematisiert wird, ist ein Lebensthema von Messiaen; hierhinter steckt auch die urmenschliche Frage, was sich hinter der Zeit verbirgt. In diesem Stück treffen sich zeitphilosophische, theologische wie auch konkrete musikalisch metrische bzw. rhythmische Grundfragen.

 

Matthias Giesen

Datum: Mittwoch, 21. August 2019
Uhrzeit: 19:30 Uhr
Ort: Augustiner Chorherrenstift
St. Florian

Interpreten

Eggner Trio

Klaviertrio

Matthias Schorn

Klarinette

Programm

Maurice Ravel (1875-1937)

Klaviertrio a-Moll (1914)

Olivier Messiaen (1908-1992)

Quatour pour la fin du temps (1940/41)  („Quartett auf das Ende der Zeit“)