„Bruckner getanzt?!“

In diesem Jahr gehen wir mit dem Eröffnungskonzert „Bruckner getanzt?!“ ganz neue Wege. Wir beschreiten Neuland mit einer Produktion, die Bruckners Musik öffnen möchte für den Tanz, eine geradezu utopische Vorstellung. Die Sinfonie der diesjährigen Woche – Bruckners II. Symphonie in c-Moll – wird schon als Ganzes im Eröffnungskonzert zu hören sein, und zwar in der alt bewährten Form auf zwei Klavieren. Gar nicht bewährt ist bis jetzt allerdings ein moderne Choreographie zu Bruckners Musik, für die das Tanzensemble der Anton-Bruckner-Privatuniversität in Linz unter der Leitung von Prof. Rose Breuss gewonnen werden konnte. Der Marmorsaal wird dazu in eine Art Arena verwandelt, in der die Tänzerinnen und Tänzer in der Mitte des Publikums zu Bruckners Musik tanzen werden. Dieses bislang einzigartige Experiment wird Bruckner zu einem ungewohnten künstlerischen Rendezvous führen, man kann sehr gespannt sein, wie hier Psychologie, Pantomime und Tanz zu den emotionalen Tiefen der Symphonie stehen werden. Zur Choreographie äußert sich die Leiterin des Ensembles Rose Breuss wie folgt:

Der Choreographie „Re-Visionen und Fassungen“ liegen Körper- und Raumstudien, choreographische Zeichnungen und Raumskizzen aus dem 19. und 20. Jahrhundert zugrunde: zum einen die Skizzenblätter des Choreographen Ferdinand Reisinger aus dem 19. Jahrhundert (Houghton Library, Boston) und zum anderen Fotos und Tanzbeschreibungen der expressionistischen Tänzerin Gertrud Bodenwieser aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Bildarchiv der Nationalbibliothek Wien).
Das Tanzensemble – bestehend aus 10 Tänzer und Tänzerinnen – aktualisiert diese Räume, Körper-Architekturen, Positionierungen und Körpergesten in einer (fassungs)losen, assoziativen, freien Spannung zum historischen Hintergrund des Marmorsaales. Die Re-Vision spielt sich im musikalischen Raum der 2. Sinfonie von Anton Bruckner ab und bringt eine zeitgenössische Tanzfassung zum Vorschein.

In der Reihe der „Junge Talente Oberösterreichs“ (JTO) konnten wir heuer einen Komponisten gewinnen, den gebürtigen Linzer Ralph Mothwurf. Er ist ein Komponist, der sich keinem Stil verschließt, der im Jazz genauso zuhause ist wie in der Klassik und in der Neuen Musik. Die direkte Reflexion eines jungen modernen Komponisten auf Bruckner im Zusammenhang mit dem Ausdrucksmedium des Tanzes lässt einen einzigartigen und extravaganten Abend mit äußerst spannenden Begegnungen erwarten. Mothwurf äußert sich zu seinen Stücken wie folgt:

Die Klavierbearbeitung eines historischen Orchesterwerks als Bezugspunkt neuer Kompositionen zu verwenden birgt eine große Gelegenheit in sich. Musikalische Prozesse eines großen Klangkörpers auf zwei Instrumente zu reduzieren führt dazu, dass kleine Klänge größer gedacht und große Klänge auf ihre Essenz destilliert werden. „Antworten auf Bruckner“ ist eine dreiteilige Komposition, die zwischen den vier Sätzen der vierhändigen Klavierbearbeitung von Bruckners Zweiter Sinfonie in C-Moll steht. In der Auseinandersetzung mit dem Werk wird mir klar, dass Bruckners Musik neben seinem kompositorischen Geschick auch fundamentale menschliche Emotionen untersucht, die bis heute nichts an Relevanz verloren haben.

Matthias Giesen

Datum: Sonntag, 18. August 2019
Uhrzeit: 19:30 Uhr
Ort: Augustiner Chorherrenstift
St. Florian, Marmorsaal

Interpreten

Ashleigh Cooper, Kai Chun Chuang, Pablo Delgado Flores, Berenice Arias Leal, Marcela Mariana López Morales, Jerca Roznik Novak, Maria Shurkhal, Vesna Tepic, DaJeong Yu

Tanzensemble der Anton-Bruckner-Privatuniversität (Leitung: Rose Breuss)

Till Alexander Körber

Klavier

Oleksandr Popov

Klavier

Programm

Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 2 c-Moll auf zwei Klaviere, Klavierfassung: Karl Grunsky

Ralph Mothwurf (JTO)

„Antworten auf Bruckner“ (Uraufführung)