„Gute Nacht“

Das a cappella Programm des Chores Ad Libitum trägt den Titel „Gute Nacht“ – die Nacht ist der Ort der Ruhe, des Geheimnisvollen, des Verborgenen, der Transzendenz und des Schlafs. Die Keimzelle des Programms ist jener Vers aus Johann Sebastian Bachs Motette „Jesu, meine Freude“, der mit den Worten „Gute Nacht, ihr Wesen“ beginnt. Damit ist einerseits die nächtliche Stille gemeint, andererseits aber das zur Ruhekommen der Seele bis hin zum ewigen Schlaf. Die Notwendigkeit des Ausruhens der menschlichen Seele zieht sich als musikalischer Leitfaden durch das Programm – sei es das innige Gebet um erholsamen und gesund machenden Schlaf in Max Regers Motette „Nachtlied“, die Ruhe die wir empfinden, wenn wir am Abend Musik genießen oder die Transzendenz in der Spiritualität der Musik von Palestrina.
Zum Schlaf gehört auch das Erwachen – György Ligetis Chorsätze „Nacht“ und „Morgen“ künden von der Undurchsichtigkeit so mancher Nächte – und der darauffolgende Tag bricht mit stürmischer Gewalt an. In den Kompositionen von Arnold Schönberg und Eriks Ešenvalds wird der Geist träumend in die Vergangenheit geführt – Erinnerungen an die Eltern und das Verlassen der gewohnten Umgebung finden ebenso ihren musikalischen Ausdruck wie das unbeschwerte Spielen mit den Freundinnen und Freunden der Kindheit.
Manchmal möchte man die Zeit anhalten und man wünscht sich, dass Stimmungen und Emotionen nicht verblassen – dies könnte bei der Motette „O magnum mysterium“ von Ola Gjeilo empfunden werden – die Klangflächenkomposition im langsamen Metrum für Cello und achtstimmigen Chor begleitet das Publikum in eine Welt, in der das Ticken der Uhr aufgehoben zu sein scheint.

Heinz Ferlesch

Datum: Montag, 19. August 2019
Uhrzeit: 19:30 Uhr
Ort: Augustiner Chorherrenstift
St. Florian, Stiftsbasilika

Interpreten

Chor Ad Libitum

Chor

Kaspar Singer

Cello

Stefan Kaltenböck

Leitung

Programm

Max Reger (1873-1916)

Nachtlied

Giovanni Pierluigi da Palestrina (ca. 1525-1594)

Kyrie aus der Missa Papae Marcelli

Henry Purcell (1659-1695)

Music for a while (arr.: Gunnar Ericson), Sopran: Magdalena Bögl

Ola Gjeilo (*1978)

Serenity

Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Mottete Jesu, meine Freude  BWV 227

Orgelpositiv: Josef Schweighofer

György Ligeti (1923-2006)

Éjszaka und Reggel

Arnold Schönberg (1874-1951)

Schein uns, du liebe Sonne

Johannes Brahms (1833-1897)

Wiegenlied (arr.: Gernot Schedlberger)

Eriks Ešenvalds (*1977)

Only in sleep (Sopran: Magdalena Pfaffeneder)