Symposion zu Bruckners „Zweiter“

Drei international renommierte Fachleute aus der Musikwissenschaft widmen sich in den diesjährigen Bruckner-Dimensionen verschiedenen Einblicken in Bruckners Partitur zur „Zweiten“.

Dabei darf man durchaus gespannt sein auf neue wissenschaftliche bzw. musiktheoretische Erkenntnisse. Das Symposium möchte aber nicht nur der Fachwelt offen stehen, sondern allen Interessierten eine gut geeignete Ein- und Hinführung zu dieser Symphonie gewähren.

Zum Konzept des Symposiums gehört neben den rund 30minütigen Vorträgen und einer Podiumsdiskussion mit den Referenten auch die Ge-legenheit, mit den Fachleuten diskutieren und sie zu der Symphonie befragen zu können. Ziel ist es auch, die musikwissenschaftliche Forschungsergebnisse näher an Interessierte zu bringen – „Wissenschaft zum Anfassen“.

Theorie und Wissenschaft sollen in St. Florian aber immer in Kontakt mit der zu erlebenden Musik sein;

das Symposium steht also in unmittelbarer Fühlung mit dem Symphoniekonzert am Abend in der Stiftsbasilika

 

William Carragan:

The paper is a discussion of the significance of the Second Symphony as it served in its 1872 version as a prototype for the seven following Vienna-period symphonies. Elements of form and content are covered in detail, with a particular discussion of the four-section development of the finale in its four distinct manifestations.

 

Prof. Dr. Hans-Joachim Hinrichsen:

Selbstfindung und Konsolidierung.

Die Zweite Symphonie als Schlüsselwerk der Bruckner-Rezeption

Bruckners Zweite Symphonie ist das erste Orchesterwerk, mit dem er in Wien nicht nur bekannt wurde, sondern auch einen beachtlichen Anfangserfolg erzielte. Die Presse-Reaktionen waren verhältnismäßig (im Falle Hanslicks sogar ungewöhnlich) positiv und ermutigend. Das hat sicherlich damit zu tun, dass Bruckner hier fundamentale Grundzüge seines eigenen symphonischen Konzepts in recht übersichtlicher Weise stabilisiert hatte, die aber danach – in der Dritten konsequent weiter ausgebaut und zu weitaus größeren Dimensionen entwickelt – auf die ursprünglich positiv erwartungsvollen Rezensenten wiederum verstörend wirkten. Diese ambivalente Rezeption ist für Bruckners weiteren Werdegang von großer Bedeutung geworden, und für die Einordnung der Zweiten in das symphonische Gesamtschaffen ergibt sich daraus eine ganz besondere Position.

 

Desiree Mayer

Das Ostinato als Kompositionstechnik in Anton Bruckners Symphonie Nr. 2 in c-Moll

Wie funktionieren Steigerungspassagen in Symphonien des 19. Jahrhunderts? Wie kann ein Komponist unterschiedliche formale Teile gliedern und sie sinnvoll aneinanderknüpfen? Eine mögliche Antwort lautet: mittels eines Ostinatos. Ein Ostinato kann im symphonischen Satz auf vielfältige Weise eingesetzt werden, je nachdem, welcher Zweck verfolgt und welche Wirkung entfaltet werden soll. Dabei sind die Erscheinungsformen eines Ostinatos höchst verschieden. Anton Bruckners Symphonien stellen durch ihre geradtaktige und symmetrische Anlage einen prädestinierten Untersuchungsgegenstand im Hinblick auf Ostinati dar.

In diesem Vortrag soll anhand der Zweiten Symphonie von Bruckner vorgestellt werden, wie das Ostinato kompositorisch eingesetzt werden kann. Eine beispielhaft Passage ist dabei vor allem das sogenannte Unisonothema des Kopfsatzes.

Neben einer exemplarischen Analyse dieser Passage, lassen sich anhand der Zweiten Symphonie auch Aussagen über Bruckners Gebrauch von ostinaten Strukturen allgemein in seinen Symphonien treffen.

Datum: Freitag, 23. August 2019
Uhrzeit: 14:00 Uhr
Ort: Augustiner Chorherrenstift
St. Florian, Altomonte Saal

Interpreten

William Carragan, USA

„Bruckner’s Grand Plan“

Prof. Dr. Hans-Joachim Hinrichsen/Zürich

„Selbstfindung und Konsolidierung – Die Zweite Symphonie als Schlüsselwerk der Bruckner-Rezeption“

Desiree Mayer, München

„Das Ostinato als Kompositionstechnik in Anton Bruckners Symphonie Nr. 2 in c-Moll“

Programm