Altomonte Orchester, Rémy Ballot

Kann oder darf man Künstler und Werk trennen? Schöpfer und Biographie?

Zeitloser Diskussionsstoff aller Kunst. Selbst in verzweifelten Lebensabschnitten lässt sich Mozart musikalisch niemals in die Seele blicken. Tschaikowsky hingegen kündigt in seiner „Pathetique“ unmissverständlich seinen bevorstehenden Selbstmord an.

Zwei Abgründe der Verzweiflung prägen Bruckners Leben:

Der Nervenzusammenbruch in Bad Kreuzen (genesend komponiert er die f-moll-Messe) und seine existentielle Not 1875, also das bittere Bereuen seines vermeintlich falschen Schrittes nach Wien: „Alles ist zu spät. Fleißig Schulden machen, u am Ende im Schuldenarreste die Früchte m e i n es  F l e i ß e s   g e n i e ß e n, und die Thorheit meines Übersiedelns nach Wien ebendort besingen, kann mein endliches Los werden“. (sic!)

In dieser Stimmung beginnt er den zweiten Satz der V. Symphonie. Artikuliert sich unüberhörbar. Welche Stärke hält ihn hier am Leben, verleiht ihm beim Komponieren Newton`sche Kräfte? Denn der Schluss des 4. Satzes, die unvergleichliche sogenannte  „Finalcoda der V.“  ist eine der überzeugendsten Botschaften der Zuversicht, welche jemals von Menschenhand geschaffen wurde.

Jetzt habe ich keine Angst mehr vor dem Sterben, Bruckner hat mir den Himmel gezeigt!“ – so eine 17-jährige Konzertbesucherin nach dem krönenden Abschluss der V. in einer Bruckner-Dokumentation des ZDF.

Die „Kontrapunktik“, also die komplexe Kompositionskunst der eigenständigen Führung jeder einzelnen musikalischen Stimme, erreicht in der Schlussfuge der V. Bruckner ihren musikgeschichtlich bislang letzten unvergleichlichen Höhepunkt. Bruckner sagte später über diese Schlussfuge: „Nie mehr schreib‘ i‘ so was, das is‘ mei‘ größte Arbeit!“ und: „Nicht um 1000 Gulden möchte ich das nochmals schreiben!”  (Max Auer: „Anton Bruckner: Sein Leben und Werk“, Amalthea Verlag, 1947.)

Ihr ebenfalls einzigartiges Schlussfugen-Pendant der klassischen Musik liegt in der Schlussfuge von Mozarts „Jupiter-Symphonie“ KV 551, welche zur Eröffnungsgala 2017: „20 Jahre St. Florianer Brucknertage“ am Sonntag erklingen wird. Gemäß dem Motto der Brucknertage, musikalisch zusammenhängende sinnhafte einwöchige musikalische Bögen zu spannen.

Die Brucknertage präsentieren die „Phantastische“ (Zitat Bruckner über seine V.) in der seit 2011 regelmäßig und mehrfach international preisgekrönten, somit durchaus bereits bewährten Kombination mit dem Altomonte Orchester unter dem Dirigenten Rémy Ballot wie immer als krönenden Höhepunkt der Woche. Wahrlich würdig zur Feier des 20-jährigen Bestehens der „St. Florianer Brucknertage.“

Datum: Freitag, 18. August 2017
Uhrzeit: 20.00 Uhr
Ort: Augustiner Chorherrenstift
St. Florian, Stiftsbasilika

Interpreten

Altomonte Orchester

Orchester

Rémy Ballot

Leitung

Programm

Anton Bruckner (1824-1896)

V. Symphonie in B-Dur, WAB 105